50 000 Euro und zwei Hände

Ferdinand Fröscher ist einer der wenigenselbstständigen Jungwinzer im Kochertal

Eine Ausbildung und im Anschluss gleich der eigene Herr? Was für viele utopisch klingt, hat Ferdinand Fröscher aus Forchtenberg gewagt. Er ist Winzer und seit fünf Jahren selbstständig. Seine Fröscher-Weine vermarktet er in Eigenregie.

VON CORINNA JANSSEN

Würde er diesen Weg nochmals einschlagen? Auf diese Frage angesprochen wird Ferdinand Fröscher nachdenklich. „Natürlich gibt es Momente, in denen man überlegt, ob es der richtige Weg war“, beginnt der 25-Jährige zu erzählen. Das passiere beispielsweise, wenn das Wetter die Ernte vernichte. „Das sind Rückschläge, die ich verkraften muss. Ein Jahr Arbeit ist dann kaputt“, so der Winzer. Doch seine Leidenschaft für den Beruf siege stets. Ferdinand Fröscher stammt aus einer Winzerfamilie. Der Großvater besaß 44 Ar Weinberge. Bereits als kleiner Junge war er dabei, wenn es an die Lese der Weintrauben oder ans Schneiden der Rebstöcke ging. „Draußen in der Natur zu sein, das gefiel mir schon als kleiner Junge“, erzählt der Weinbauer und lächelt. „Als ich in der neunten Klasse der Realschule ein Praktikum beim Weingut Fürst Hohenlohe machte, stand meine Entscheidung fest, mich dort um eine Lehrstelle als Winzer zu bewerben“, erzählt der Forchtenberger. Er bekam eine Zusage. Über den Wermutstropfen, ein Drittel weniger Ausbildungsvergütung zu bekommen als in der Industrie, sah er hinweg. „Man muss für diesen Beruf einfach Herzblut mitbringen“, erklärt er. Das dritte Lehrjahr absolvierte er in der Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg.

Kaum ausgelernt, stand der Jungwinzer bereits auf eigenen Beinen. „Für mich war es nie eine Option, Befehle entgegenzunehmen“, gibt er zu. 50 000 Euro und zwei Hände waren alles, was er für den Schritt in die Selbstständigkeit besaß. Mit dem Geld investierte er in Tankraum, Keller, Wirtschaft und Vermarktung. „Kurz vor Weihnachten füllten wir die ersten drei Sorten des J a h r g a n g s 2010 ab – einen Dornfelder, einen Kerner und einen Weißwein Cuvée“, erinnert sich Ferdinand. Es sei ein tolles Gefühl gewesen, nach einem Jahr Arbeit das erste eigene Produkt in den Händen zu halten. Mittlerweile bewirtschaftet er 15 Hektar Weinberge. So gut wie jeden Tag ist der Hohenloher in seinen Weinbergen – bei Wind und Wetter. „250 Arbeitsstunden rechnen wir pro Hektar und Jahr“, benennt er den Arbeitsaufwand. Einen anderen Beruf könne er sich nicht vorstellen. Ferdinand weiß aber auch, dass es ohne die Hilfe seiner Familie und Freunde nicht gehen würde. Mittlerweile sind 13 verschiedene „Deutsche Qualitätsweine“ vom Rebenhof Fröscher auf dem Markt. 26 000 Liter hat Ferdinand vom letzten Jahrgang eingelagert. Bei der Direktvermarktung ist der Hohenloher kreativ. „Wir setzen auf das Individuelle“, erzählt er und hebt eine Flasche hoch. Auf dem Etikett steht der Name „Eichensinn“. Es ist ein Rotweincuvée im Barrique, also Eichenfass gereift. Der Name steht für den Eigensinn der Hohenloher. 1500 Stammkunden hat der Rebenhof mittlerweile. Doch selbst Hamburger, Berliner und auch Österreicher sind auf die Fröscher- Weine aufmerksam geworden und bestellen übers Internet. Das freut den Jungunternehmer. Von 2011 bis 2013 machte der Winzer den Wirtschafter. „Ohne Zusatzausbildung ist man heutzutage nichts“, erklärt er. „Ab 2018 würde ich gerne einen Lehrling einstellen“, überlegt er und hofft, einen jungen Menschen für diesen Beruf gewinnen zu können.

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