Fortsetzung „Ab ins Ausland“ 

Johannes Julius Mohn* berichtet von seinem Auslandssemester

Nach fast zehn Monaten ist Erasmus-Student  Johannes im Mikrokosmos seines Londoner Wohnheims angekommen. Und macht erste kleine Schritte im Filmgeschäft. 

Acht Uhr morgens, es klingelt – aber nicht der Wecker, sondern der Feueralarm. Es ist Februar, kalt, also schnell einen Pullover übergeworfen und raus zum Sammelpunkt vor dem Wohnheim. Da steht schon ein Großteil der 800 anderen Studenten. Feueralarm – eigentlich nichts Neues, aber bei jedem Mal von Neuem nervig. Nach diesem Tag werden in den Küchen Warnhinweise angebracht: „Mikrowelle in Betrieb niemals unbeaufsichtigt zurücklassen.“ Das ergänzt die alten Zettel wie „Rauchen verboten!“ oder „Lautstärke geringhalten.“ Wenn man den Mikrokosmos Londoner Wohnheim mal verstanden hat, lebt es sich da für zehn Monate ganz in Ordnung. Man weiß dann, dass donnerstags tolle Filme im Kino neben dem Gemeinschaftsraum laufen, wählt in der Kantine das gute Essen aus und lässt sich alle paar Monate bei der Wohnheimparty mit den richtigen Leuten etwas gehen.

Viele interessante und engagierte Menschen traf ich in der Film Society – eine Art studentisch organisierter Filmclub mit regelmäßigen Treffen und Workshops. Hier begegnete ich den Menschen, mit denen ich beim „Campus Movie Fest“ an den Start ging. Wir hatten eine Woche Zeit, einen dreiminütigen Film zu drehen, und der lief in unserem Fall sogar auf dem Finale in einem Kino am Leicester Square.

Johannes im British Museum bei den Mumien


Das International Hall, in dem Wohnheim hatte der 23-Jährige ein kleines Zimmer.

Im Pub mit Freunden aus dem Polnisch-Kurs.

Hat sich das Auslandssemester gelohnt? Nun ja: Das UCL ist auch nur eine Uni. Die Lage im Herzen Londons führt zu Platzmangel in der Bibliothek und den Computerräumen. Die Mensa ist unteres Mittelfeld und die Uni-Organisation komplex. Mal eben ein ungeliebtes Seminar wechseln ist schwer bis unmöglich. Was bleibt also von der hochgelobten Elite-Uni? Es sind die guten Seminare. Ich besuchte wirklich eine ganze Reihe richtig guter Veranstaltungen, bei richtig guten Dozenten. Die Platzbeschränkung in den Seminaren war vielleicht nicht immer fair, aber in kleinen Gruppen lief es einfach besser als in den über-überfüllten Seminaren, die ich teils aus Berlin kannte. 

Die Briten schätzen gute Bildung sehr und vor allem die Geisteswissenschaften haben einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Mit einem Abschluss in Literatur oder Philosophie stehen einem auch als Quereinsteiger in vielen Branchen die Türen offen. In Deutschland muss ich mir oft als erstes den Taxi-Witz anhören, wenn ich von meinem Studium erzähle.

Mein Auslandsaufenthalt hat mir gezeigt, wie ähnlich und wie unterschiedlich die Dinge in verschiedenen Ländern laufen. Diese Erfahrung ist unersetzbar und ich habe dadurch auch mich besser kennengelernt. Das Wichtigste ist jedoch, zu lernen, sich an fremde Gegebenheiten anzupassen – dann zieht man auch schon mal die Decke über den Kopf und lässt den Feueralarm einfach wüten.


Johannes an der „RED Epic“-Kamera der Film Society, einer Art Film-AG der Universität.

Das Hauptgebäude des University College London.

Auf dem Campus Movie Fest: Hier präsentierte Johannes zusammen mit anderen einen selbstgedrehten Kurzfilm. 


*Der gebürtige Haller Johannes Julius Mohn studiert an der Freien Universität Berlin. Für uns berichtet er von seinem Erasmus-Aufenthalt am University College London (UCL). Die erste Folge ist hier nachzulesen. Der 23-Jährige hat sich vorgenommen später als Drehbuchautor sein Geld zu verdienen.

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