Anders, aber sehr erfrischend

Jean-Maurice Freymüller unterstütztBehinderte bei der Arbeit.

In den Beschützenden Werkstätten in Schwäbisch Hall weiß jeder, was er zu tun hat. Dennoch funktioniert die Arbeit nur, wenn andere sie beaufsichtigen. So wie der 21-jährige Bufdi Jean-Maurice Freymüller.

VON KATHARINA SCHULTZ

 

 

Kurz nachdem Jean-Maurice die Montage-Halle betritt, passiert, wovon er ein paar Minuten vorher erzählt hat. Die Mitarbeiter begrüßen die neue Person an seiner Seite, reichen ihr die Hand, wollen wissen, wer sie ist. Genauso wurde auch Jean-Maurice vor über einem Jahr empfangen. „Die Menschen sind offen und neugierig. Das ist sehr erfrischend“, findet der Tüngentaler. Zusammen mit vier Angestellten kümmert er sich um vierzig geistig und körperlich Behinderte in der Montage- Abteilung, wo etwa Schrauben, Stecker oder andere Waren von Firmen für weitere Produktionsschritte vorbereitet werden. „Anfangs war es viel Neues auf einmal. Die Menschen, die auf ihre Weise besonders sind, und die Produktionsabläufe – beides zu vereinbaren, hat Zeit gebraucht“, berichtet Jean-Maurice. Inzwischen sitzt alles: Gegen 7.30 Uhr kommt er in die Werkstatt und bereitet die Waagen vor. Dann werden die Aufträge bearbeitet. In seiner Abteilung heißt das vornehmlich Schrauben in allen Größenordnungen auszupacken, abzuwiegen, neu zu verpacken und zu etikettieren. Jean-Maurice steht den Mitarbeitern helfend zur Seite und greift auch mal mit zu, wenn „die Zeit für einen Auftrag eng wird“. Mittlerweile kennt er jeden einzelnen und seine Bedürfnisse, etwa den Herrn, der seinen Pulli vor der Arbeit wechseln muss, oder die Dame, die so viel Gesprächsbedarf hat, dass sie am Ende jedes Arbeitstages, gegen 15.30 Uhr, extra Zeit bekommt und Jean-Maurice aus ihrem Leben erzählt. „Die Menschen hier können sehr vereinnahmend sein. Es ist wichtig, Nähe zuzulassen und dennoch Distanz zu wahren. Ansonsten kann man nicht allen gerecht werden“, findet Jean-Maurice. „Der Bundesfreiwilligendienst oder ein FSJ sind eine super Sache: Man verdient etwas Geld und sammelt noch praktische Arbeitserfahrung“, sagt der junge Mann. Nach einem Hospitationstag in den Werkstätten in Hall stand für ihn fest, dass er für ein Jahr in der Montage helfen will. Inzwischen hat er sogar um ein halbes Jahr verlängert. Als nächstes will Jean-Maurice eine technische Ausbildung beginnen. Eine gute Voraussetzung, um in die Beschützende Werkstätte zurückzukehren, beispielsweise als Arbeitserzieher.

 

 

FOTO: KAS

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