Backenkneifer als Dank

Lena bastelt und spieltmit Flüchtlingen

In den Medien verfolgte Lena Sap die Berichte von Flüchtlingen, die täglich unter anderem aus Syrien zu uns kommen. Lena wollte helfen, „aber ich wusste ehrlich gesagt nicht wie“, sagt die 18-Jährige.

VON KATHARINA SCHULTZ

 

 

Und doch engagiert sich die Oppenweilerin seit Oktober. Zusammen mit anderen Azubis stellt sie Freizeitangebote für die Kinder in der Notunterkunft in Hall auf die Beine. Ins Leben gerufen wurde diese Aktion von einer ihrer Lehrerinnen der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik vor Ort in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Asyl. „Die Menschen haben Schreckliches erlebt. Wir wollen ihnen helfen, das zu vergessen“, sagt Lena. Dafür kommen sie und die anderen 15 Leute aus dem Kurs zwei mal wöchentlich in die Turnhalle in der Tullauer Höhe. Bis zu zwei Stunden nehmen sie sich Zeit: basteln mit den Kindern, backen mit ihnen oder schauen Bilderbücher an. Viele der Jüngeren sprechen weder Deutsch noch Englisch. „Die Verständigung mit Händen und Füßen klappt gut“, berichtet sie. Manche Regeln müssen beide Seiten erst lernen. So kniff ein Junge Lena immer wieder in die Backe. Eine etwas schmerzhafte Geste, mit der man im arabischen Raum offensichtlich Zuneigung bekundet, wie ihr der Vater des Kleinen versicherte. Also kniff Lena beim nächsten Mal zurück. „Die Menschen wollen sich verständigen und einbringen“, ist die angehende Erzieherin überzeugt, was sie unter anderem an der Lernbereitschaft misst: „Sie behalten deutsche Wörter ziemlich schnell.“ Die Kinder, die betreut werden, sind zwischen einem und zehn Jahre alt. Circa alle drei Wochen kommen neue Bewohner in die Unterkunft, während die bekannten Gesichter in andere Wohnungen verlegt werden. Das „Bastelzimmer“ ist ein mit Bauzaun und Folie abgetrennter Bereich der Turnhalle. „Bis zu sechs Leute teilen sich einen Bereich, der nicht größer ist als mein Kinderzimmer“, berichtet Lena erschüttert. Auch nach dem Ende ihres Kurses will sie sich weiter einsetzen. „Ich werde mich dann in den Gemeinden umhören, wo ich helfen kann“, sagt die junge Frau entschlossen.

 

 

 

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