Daran haben sich die Väter nicht gewagt

Sebastian Kuch und Daniel Braun bringenfrischen Wind ins Familienunternehmen

Ihre Väter haben die Kupferzeller Firma KBK Fenster und Türen auf die Beine gestellt. Nun übernehmen Sebastian Kuch (29) und Daniel Braun (26) nach und nach die Geschäfte. Wir sprachen mit dem Nachfolger- Duo über das richtige Fingerspitzengefühl und neue Ideen.

 

DAS INTERVIEW FÜHRTE CORINNA JANSSEN

 

Kickstart: Herr Kuch, Herr Braun, wann haben Sie sich entschieden, in die Fußstapfen Ihrer Väter zu treten?

Daniel Braun: Bei mir war es relativ früh. Mit 15 Jahren habe ich ein Praktikum bei unserem Weru-Fensterlieferanten gemacht. Ich wollte sehen, ob die Unternehmensphilosophie zu mir passt und natürlich wollte ich mir auch mal das Werk anschauen. Die Woche verging rasend schnell und war sehr spannend. Im Anschluss stand für mich fest, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten will.

Sebastian Kuch: Ich habe da etwas länger gebraucht (lacht). Nach der Realschule habe ich eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann in der Baubranche gemacht. Im Hinterkopf hatte ich schon, dass ich ja mal bei meinem Vater einsteigen könnte. Aber erst nach dem Fachabi ist die Erkenntnis gereift, es könnte etwas für mich sein. Zuerst wollte ich jedoch noch mein BWL-Studium in Angriff nehmen.

 

Kickstart: Ist da nicht eher der Wunsch da, sich auf neuem Wege selbst zu verwirklichen – ganz weit weg von der Familie?

Daniel Braun: Am Anfang eines Berufslebens ist das schon so. Deshalb habe ich auch in einem anderen Betrieb Glaser gelernt und dann noch bei Weru eine Lehre zum Industriekaufmann abgeschlossen. Mittlerweile habe ich den Wirtschaftsfachwirt gemacht und stecke mitten in den Prüfungen zum IHK-Betriebswirt.

 

Kickstart: Nun arbeiten Sie beide bereits seit geraumer Zeit im Unternehmen mit. Sicher gibt es auch schon neue Ideen und Impulse. Was ist denn bereits in Richtung Generationswechsel passiert?

Daniel Braun: Gerade arbeiten wir daran, eine App für modernes Wohnen einzuführen. Diese ermöglicht es unseren Kunden beispielsweise ganz bequem von Mallorca aus zu Hause die Fenster herunterzulassen. An dieses Produkt haben sich unsere Väter bisher noch nicht gewagt. Sebastian Kuch: Ein Fensterbetrieb, der keinen Nachfolger hat, würde ab diesem Punkt aussteigen. Das ist das Wichtige, die Verjüngung. Wir bringen den frischen Wind mit. Beim Einkauf konnten wir bereits Ablaufprozesse optimieren. Außerdem haben wir Barcodes eingeführt. Das war unser Wunsch. Jetzt geht alles schneller. Alle Veränderungen müssen wir jedoch mit Blick auf unsere Mitarbeiter mit Fingerspitzengefühl angehen. Jeder, der eine Firma übernimmt, sollte die Mitarbeiter bis zu einem gewissen Teil mit ins Boot nehmen. Kommunikation ist da sehr wichtig, denn wir müssen den Umbruch mit unserem Mitarbeiter-Stamm hinbekommen. Das erfordert gegenseitigen Respekt, Wertschätzung und Entgegenkommen.

 

Kickstart: Was raten Sie angehenden Jungunternehmern?

Sebastian Kuch: Es ist wichtig, den Betrieb in seinen Strukturen gut zu kennen. Von den Älteren sollte man die positiven Eigenschaften übernehmen, die negativen anschauen und es besser machen. Selbstständigkeit erfordert eine hohe Leistungsbereitschaft. Nach acht Stunden ist da selten Schluss.

Daniel Braun: Um in einen Betrieb wie unseren hineinzuwachsen, muss das Verhältnis zu den Vätern stimmen. Das ist bei uns der Fall. Man muss sich für die Selbstständigkeit bewusst entscheiden.

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