Der Bulle und das wilde Schaf

Unser Praktikant Simon Kreuzermischt sich unter die Beamten in Blau.

Für einen Tag haben wir unseren Praktikanten an die Polizei in Hall verliehen. Zurückgekommen
ist er mit Erfahrungen an der Schusswaffe und spannenden Einsatzgeschichten.
VON SIMON KREUZER

 

Die Waffe in meiner Hand fühlt sich feucht und wuchtig an. Das Blut pulsiert in meinem Kopf, die Atmung geht schwer. Als ich abdrücken will, ist jeder Muskel meines Körpers gespannt. Knall – einmal, zweimal, dreimal. Ich sehe rote und weiße Lichtblitze, doch die schemenhafte Gestalt bewegt sich keinen Zentimeter. Knall – einmal, zweimal – Klick.

„So viel Schuss braucht ja nicht mal Arnold Schwarzenegger“, witzelt Kommissar Hermann Schüttler. Bisher dachte ich, ich sei ein guter Schütze – mit dem Stand auf dem Jahrmarkt hat das Schusstraining der Polizei aber wenig zu tun. Der „Freund und Helfer“ neben mir traktiert mich mit Stroboskop, Schubsen und Helene Fischers „Atemlos“.

Für Polizisten wie Isabelle Bartsch gehört diese Tortur zur morgendlichen Routine. Allerdings schießt sie – anders als ich – mit einer richtigen Waffe. „Bevor der Dienst beginnt, gehe ich schwimmen, joggen oder schießen“, erklärt sie. 40 Kampftrainingsstunden brauchen die Uniformierten im Jahr. Um 13 Uhr startet schließlich die Schicht auf dem Revier. „Ganz schön schwer“, ist mein erster Gedanke beim Überziehen der schusssicheren Weste. Als Isabelle Bartsch mir das frühere Modell mit Stahlplatten zeigt, beklage ich mich nicht mehr. Die Polizisten dürfen ihre Montur – inklusive sperrigem Waffengürtel – keine Minute ablegen. „Wir sind immer in Bereitschaft“, erklärt die 42-Jährige. Sie arbeitet zurzeit im Streifendienst bei der Polizei Schwäbisch Hall. Das bedeutet zwei Tage Schichtarbeit und drei Tage frei.

 

An der Wand hängt die Tafel mit den verfügbaren Einsatzfahrzeugen: „Ba“ für Bartsch steht ganz unten, die Polizistin und ihr Partner rücken also nur aus, wenn kein anderes Team verfügbar ist. Ob ihr auf dem Revier nicht langweilig wird? Sie lacht: „Auf keinen Fall. Der Job besteht fast zur Hälfte aus Schreibarbeit.“ Meine Kollegin auf Zeit deutet auf den Stapel aus Formularen. „Manchmal passieren auch ganz lustige Dinge“, erzählt eine andere Polizistin aus Heilbronn, „so wurden mein Partner und ich zu einer Ruhestörung gerufen. Der Typ, der uns die Tür geöffnet hat, war splitterfasernackt.“ Nicht immer geht es auf Streife so locker zu. Das einprägsamste seien Leichenfunde, beispielsweise bei einem Selbstmord, meint Isabelle Bartsch: „Den Geruch werde ich nicht vergessen.“ Dinge, die man besser nicht mit nach Hause nehmen solle.

Mit im Kontrollraum sitzt auch Wolfgang Karschnick. Der alteingesessene Polizist beobachtet gebannt den Bildschirm. Karschnick gehört zur Streife, heute wird er das Blaulicht aber nicht anschalten – er hat Wachdienst und koordiniert die Notrufe. „Seit der Reform 2012 arbeiten wir mit der Leitstelle des Präsidiums Aalen zusammen. Dadurch ist vieles umständlicher geworden“, meint er. Sobald der 57-Jährige einen Einsatz bestätigt, blinkt es am Funkgerät der Polizisten. „Autodiebstahl, eine Schlägerei, Verkehrsunfälle und so weiter“: Schüttler zeigt mir eine Liste mit Fällen, die allein am Vortag gemeldet wurden.

Wenn es sich um einen Notfall handelt, werden Isabelle Bartsch und ihre Kollegen losgeschickt. „Wir sind die Feuerwehr der Polizei“, sagt Karschnick schmunzelnd. Das sei das besondere an der Streife: Sie sei abwechslungsreich, die Kollegen hätten mit vielen verschiedenen Fällen zu tun. Dass sie vor allem alle Hände voll zu tun haben, erfahre ich am eigenen Leib. Als wir gerade ans Auto gehen wollen, piepst es. Ein für mich kryptisches Knattern dringt durch den Lautsprecher an Isabelle Bartschs Hüfte. Die Polizistin nickt. Ihr Partner rennt uns mit einem G3-Gewehr entgegen und ruft: „Wir müssen los!“

Ich verziehe mich schnell in den Kontrollraum. Der grüne Punkt auf dem Bildschirm, der für Bartschs Wagen steht, bewegt sich. Ob sie es zum Schichtende um 20 Uhr zurück schafft oder gleich zum nächsten Einsatz gerufen wird, weiß keiner.

Aber was ist eigentlich passiert? Schüttler winkt ab. Ein wild gewordenes Schaf gefährde den Verkehr. „Das Einfangen ist schon öfter fehlgeschlagen“, ergänzt Karschnick, „jetzt müssen wir es leider erschießen.“ Der grüne Punkt erreicht schließlich sein Ziel. Bleibt nur zu hoffen, dass die Polizistin besser trifft als der zweite Arnold Schwarzenegger.

 

 

 

KICK-TIPP
Diese Daten solltest du auf dem Schirm haben:


Bewerbungsfristen mittlerer Dienst:
» der 15. Mai für eine Einstellung am 1. März
» der 15. November für eine Einstellung am 1. September


Bewerbungsfristen gehobener Dienst:
» der 30. September für eine Einstellung am 1. Juli


Noch Fragen? Die Einstellungsberater
im Präsidium Aalen helfen dir gerne: nachwuchswerbung.polizei-bw.de/#home

Folge uns auf Facebook

Fragen? Schreibe uns eine Mail

Azubistellen im Stellenportal


südwest presse
südwest presse
südwest presse
südwest presse