Der Rakete Ariane ganz nah

Felix Staib macht beim DLR eineAusbildung zum Industriemechaniker.

Einen MINT-Beruf zu erlernen, das war für Felix Staib aus Jagsthausen klar. Doch wie ist es möglich, das Hobby Modellflugzeuge und einen passenden Beruf zusammenzubringen? Der 18-Jährige hat das geschafft. Er ist im zweiten Ausbildungsjahr als Industriemechaniker beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen.


VON CORINNA JANßEN

Zu Felix´ Aufgaben als Industriemechaniker zählt das Drehen von Bolzen.

FOTOS: CORINNA JANßEN, PRIVAT

Ein 57 Hektar großes Versuchsgelände – mitten im Wald versteckt. Es ist ein ungewöhnlicher Ort für einen Arbeitsplatz. Wer jedoch Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt hört, der horcht auf. Nur wenige junge Berufseinsteiger haben das Glück, einen der raren Ausbildungsplätze als Elektriker oder Industriemechaniker dort zu bekommen, wo Triebwerkstests der europäischen Trägerrakete Ariane stattfinden. Felix Staib aus Jagsthausen ist einer der Glücklichen. Aus 50 Bewerbungen wurde er ausgewählt. „Während meiner Realschulzeit habe ich hier bereits ein einwöchiges Praktikum gemacht. Es hat mir so gut gefallen, dass ich unbedingt einen der heiß begehrten Ausbildungsplätze bekommen wollte“, erzählt der 18-Jährige. Schon als Kind habe er sich für Luftfahrt interessiert. „Ich habe Modellflugzeuge bis zu einer Spannweite von e i n e i n h a l b Metern gebaut“, sagt Felix stolz. In der Lehrwerkstatt baut er jetzt zwar keine Flieger mehr, jedoch Teile die für die Versuche von Raketentriebwerken benötigt werden. „Immer wieder bekommen wir von den Wissenschaftlern Aufträge“, erklärt Felix.

 

Im DLR werden in allen wissenschaftlichen Bereichen täglich Versuche an den Prüfständen gemacht. „Bei zweien durfte ich bereits dabei sein“, sagt Felix. Das seien dann stets ganz besondere Momente gewesen. Ansonsten unterscheidet sich seine Ausbildung nicht wesentlich von der anderer Industriemechaniker. Drehen, fräsen, bohren und feilen gehören zum Berufsalltag des Azubis. Auch zu einem ganz besonderen Projekt hat Felix Staib als Zuarbeiter Berührungspunkte: STERN – Das Raketen-Programm für Studenten.

 

Drei Jahre haben die Studenten Zeit, ihr Projekt zu realisieren. Dies ist auf Grund der Komplexität nur in Teams möglich. Insbesondere bei der Entwicklung des Antriebs sind Auslegung und diverse Motorentests ein wichtiger Bestandteil. Versuche können auch in Kooperation mit dem DLR-Testzentrum in Lampoldshausen, wo heute auch die Triebwerkstests für die Ariane-5-Rakete stattfinden. Daneben konzentrieren sich die Arbeiten der Studenten vor allem auf das Gesamtsystem „Rakete“.

 

So sind unter anderem Windkanaltests mit dem Raketenkörper vorgesehen, in denen das Strömungsprofil um den Raketenkörper ermittelt und mit den Computermodellen aus der Strömungsmechanik verglichen wird. Weitere Aufgaben, die es zu bewältigen gilt, sind beispielsweise die Auslegung von Druckbehältern, die Konstruktion der Düse oder die Festigkeitsberechnung von einzelnen Elementen der Rakete. Bei den Starts vom Raumfahrtzentrum Esrange in Kiruna gelten für die Studenten-Raketen die gleichen strengen Sicherheitsregeln wie für die regulären Höhenforschungsraketen, die dort regelmäßig starten.

 

Die Arbeiten sind Teil der Lehrveranstaltungen, die verschiedene Aspekte der Raketentechnik betrachten und gleichzeitig den Studenten als Leistungsnachweise dienen können. Innerhalb des Projektes müssen die zukünftigen Absolventen zeitlich und inhaltlich festgelegte Meilensteine erfüllen und an „Reviews“ teilnehmen, in denen sie ihr Design gegenüber einer kritischen Zuhörerschaft präsentieren und rechtfertigen. Weiter kommen nur Teams, deren Arbeiten zielfördernd sind. Die Studenten durchlaufen somit alle üblichen Prozesse eines „echten Projektes“ in der Raumfahrttechnik beziehungsweise bei der Entwicklung eines neuen Trägersystems. Mittlerweile durften Projektteilnehmer aus drei Teams der Technischen Universitäten Braunschweig und Berlin sowie der Universität Stuttgart ihren ersten Raketenstart in Esrange durchführen. Die 7,5 Meter hohe HEROS erreichte noch nicht die gewünschte Höhe bei diesem Versuch. Jetzt heißt es, alle gewonnenen Daten zu verarbeiten und nachzubessern. Das STERN-Programm wird vom DLR-Raumfahrtmanagement geplant und durchgeführt. Finanziert wird es mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft- und Energie. Beginn des Programmes war im Jahr 2012. Universitäten müssen sich für eine Teilnahme bewerben und vorgegebene Kriterien erfüllen.

 

Kurz & Knapp

STERN steht für Studentische Experimentalrakete– und bietet Studierenden der Fachrichtung Luft- und Raumfahrttechnik die Gelegenheit, eine eigene Rakete einschließlich des Antriebssystems zu planen, zu bauen und vom Raumfahrtzentrum Esrange bei Kiruna in Nordschweden
zu starten.

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