Es ist nie zu spät für den X-Faktor

Wir verraten dir, wie du erfolgreich lernst 

Auch ein guter Schulabschluss hilft, sich von anderen abzuheben. Der Erfolg steht und fällt oftmals mit der Fähigkeit zu lernen. Du willst Medizin studieren und brauchst eine wirklich gute Abiturnote oder du bist im Beruf und musst nebenher den Stoff vom Abendgymnasium pauken, doch das Lernen fällt dir schwer? Dein Lernpotenzial lässt sich steigern! Mit Hilfe von Lernberaterin Ingrid Weiß verraten wir dir, wie du erfolgreich lernst und welche Strategien hilfreich sind.

Frage: Frau Weiß, angenommen eine Prüfung naht und ich merke plötzlich, dass ich zu spät mit dem Lernen begonnen habe. Wie nutze ich die verbleibende Zeit möglichst effektiv?

Ingrid Weiß: Lernen braucht Zeit. Man sollte sich Wichtiges rausschreiben und den Inhalt von vielen Bücherseiten zusammenfassen und dadurch reduzieren. Damit wird der Lernstoff übersichtlicher und lässt sich vor der Prüfung besser wiederholen. Das ist allerdings mit einer gewissen Vorbereitung verbunden. 

Hilft es dann vielleicht, sich die Fragestellungen zu überlegen, die kommen könnten?

Ja, auf jeden Fall. Am besten bildet man eine Lerngruppe von zwei, drei Leuten. Jeder überlegt sich Fragen und die anderen probieren sie zu beantworten. So merkt man schnell, wo noch Defizite sind. Und man kann sich gegenseitig Mut machen.

Sie bieten im Kolping-Bildungszentrum in Heilbronn Lernberatungen an. Wer nimmt Ihre Beratung in Anspruch?

In erster Linie Schüler, die Einrichtungen von Kolping besuchen. Sie machen bei uns eine schulische  Berufsausbildung oder wollen die Fachhochschulreife oder das Abitur nachholen. Ab und zu gibt es auch den Anruf einer besorgten Mutter, deren Sohn kurz vor dem Abitur steht und dessen Noten sich verschlechtert haben.


Woran erkennen Sie das Lernpotenzial einer Person?

Jede Beratung beginnt mit einem Vorgespräch. Zunächst möchte ich herausfinden, wo das Problem liegt – beim Lernen selbst oder bei der Motivation. Auch familiäre Probleme können eine Rolle spielen. Dann würde ich gegebenenfalls an eine Beratungsstelle verweisen. 

Wie stellen Sie fest, ob das Lernen selbst das Problem ist?

Dazu lasse ich den Schüler zunächst entweder eine Klassenarbeit mitbringen oder gebe ihm eine Problemaufgabe samt Material, die er lösen muss. Dann schauen wir uns gemeinsam an, wie die Aufgabe gelöst wurde. In 30 Prozent der Fälle besteht das Problem darin, dass die Aufgabenstellung nicht richtig gelesen wird.

Und wie wird die Motivation hinterfragt?

Mit einem Fragebogen, der die lernrelevanten Einstellungen erfasst. Etwa wie geht jemand damit um, wenn ihn ein Thema nicht interessiert oder wie hoch ist seine Lernzuversicht? In Sachen Motivation ist häufig das Aufschieben der Knackpunkt, dadurch fehlt am Ende die  Zeit, um den Stoff gründlich zu lernen.

Mit welchen Strategien kann ich mich verbessern?

Das Wichtigste ist, sich die eigenen Fehlerquellen, wie beispielsweise das nicht genaue Lesen der Fragestellung, bewusst zu machen. Beim Lernen selbst können Merkstrategien, Karteikarten oder selbst erstellte Lernkarten nützen.


Wie lässt sich die Einstellung zum Lernen verändern? 

Wer weiß, dass er zur „Aufschieberei“ neigt, sollte sich einen Lernplan mit festen Lernzeiten machen. Man sollte sich einen Ort suchen, an dem man ungestört ist und das Smartphone ausschalten. Wichtig sind auch regelmäßige Pausen,  in denen man abschaltet, Spazieren geht oder sich sonst irgendwie ablenkt. Außerdem kann es helfen, sich konkrete Ziele zu setzen und sich klar zu machen: Was will ich erreichen? Wie soll es etwa nach dem Abitur weitergehen?

Wie gehe ich mit Misserfolgen um?

Leider sind Motivationskrisen nicht selten: Manche lernen nach einer schlechten Note weniger, weil sie denken, dass es keinen Sinn hat.  Doch je weniger man lernt, umso schlechter werden die Noten. Je schlechter die Noten sind, umso weniger glaubt man daran, Erfolg zu haben. Von Misserfolg sollte man sich aber nicht entmutigen lassen. Zuversicht entsteht durch Erfolg und den kann man sich schaffen, durch Lernstrategien und eine erhöhte Anstrengungsbereitschaft. Und mit dem Erfolg steigt auch die Motivation wieder.

In welchem Zeitraum lässt sich das Lernpotenzial steigern

Ich hatte Schüler, die sich innerhalb eines Schuljahres in bestimmten Fächern um eine halbe bis eine ganze Note verbessern konnten. Diese Fälle konnte ich allerdings über längere Zeit betreuen. Wir haben Aufgaben immer wieder gemeinsam durchgesprochen, Fehler analysiert und Verbesserungsmöglichkeiten überlegt.

Schafft man das auch ohne Sie?

Klar, wenn man es will, über geeignete Lernstrategien verfügt und seinen Lernplan einhält, dann sollte es funktionieren.

Ist die Fähigkeit dazu abhängig vom Alter?

Junge Leute können leichter auswendig lernen, älteren dagegen fällt das schwerer, dafür können sie neues Wissen besser mit vorhandenen Erfahrungen und Erkenntnissen verknüpfen.


die Fragen stellte Katharina Schultz


Ingrid Weiß

Ingrid Weiß ist Lernberaterin beim Kolping-Bildungszentrum in Heilbronn. Die studierte Sozialwissenschaftlerin unterstützt seit drei Jahren Menschen dabei, ihr Lernpotenzial zu verbessern. Das Beste an ihrem Beruf ist für sie zu sehen, wie sich jemand weiterentwickelt und Erfolgserlebnisse hat. 

Ihre Beratung ist nur im persönlichen Gespräch möglich. Schüler, die zu ihr kommen wollen, können sich unter ingrid.weiss@kolping-bildungswerk.de anmelden. 



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