„Jeder kann Mathe“

Ein Interview mit dem Weltmeisterim Kopfrechnen Dr. Dr. Gert Mittring.

Der Rechenweg ist Gert Mittring schon in der Schule viel zu lang. Er bevorzugt die Abkürzungen und treibt seine Lehrer zur Verzweiflung. Denn die Lösung ist stets korrekt.

 

DAS INTERVIEW FÜHRTE CLAUDIA LINZ

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gert Mittring hat Spaß

an schwieriegen Rechenaufgaben.

FOTO: HELGE BAUER

Heute ist der 1966 in Stuttgart geborene Zahlen-Jongleur amtierender elffacher Weltmeister im Kopfrechnen, Mathematik-Botschafter, MINT-Botschafter, Diplom- Informatiker, Doktor der Erziehungswissenschaften, Doktor der Psychologie und Bestseller- Autor. In seinen Büchern „Fit im Kopf“, „Rechnen mit dem Weltmeister“ und „Von Pi nach Pisa“ belegt er, dass Mathe kein Hexenwerk ist. Wir haben mit dem Mathe-Genie gesprochen, der für Kickstart-Leser einen Kurztest (rechts unten) konzipierte.

 

Kickstart: Was fasziniert Sie an Mathematik?

Gert Mittring: Strukturen und Gesetzmäßigkeiten zu finden, um den Rechenweg zu verkürzen und mit geringstmöglichem Aufwand schnell zum Ziel zu kommen.

 

Kickstart: Jeder kann Mathe! Stimmt das?

Gert Mittring: Klar! Natürlich gibt es Menschen, die begabter sind als andere. Aber auch mit gewöhnlicher Begabung, adäquaten pädagogischen Rahmenbedingungen und etwas Übung kann man ein beachtliches Niveau erreichen.

 

Kickstart: Warum sagen dann so viele: „Mathe, das lern ich nie!“

Gert Mittring: Dann ist ein pädagogisches Unglück geschehen. So eine Haltung hat mit schlechten Erfahrungen zu tun, die es zu vermeiden gilt.

 

Kickstart: Und wenn es dafür zu spät ist?

Gert Mittring: Dann kann man versuchen, das Kind oder den Erwachsenen über eine Brücke wieder an die Mathematik heranzuführen. Ein Beispiel: Interessiert sich jemand brennend für Architektur oder astronomische Fragen, könnte man damit sein Interesse an Mathematik neu entfachen. Denn ohne Mathe kommt man bei beidem nicht aus.

 

Kickstart: Interesse ist also das Stichwort?

Gert Mittring: Ja. So ist es eine pädagogische Irrlehre, man könne nur entweder in Sprachen oder in Mathematik gut sein. Meiner Ansicht nach geht beides. Entscheidend ist vielmehr, wie sehr man sich für ein Fach begeistern kann, denn damit wächst das Interesse und man wird besser.

 

Kickstart: Warum sind Sie MINT-Botschafter? Es ist wichtig, schon Kinder und Jugendliche spielerisch und mit entspannter Leichtigkeit für Gert Mittring: MINT-Fächer zu begeistern. Das funktioniert über engagierte Vorbilder und anschauliche Beispiele, die zeigen, welchen direkten Einfluss MINT auf unser aller Lebensumfeld hat.

 

Kickstart: Wofür werden MINTler gebraucht?

Gert Mittring:„Made in Germany“ hat international einen sehr guten Ruf. Auch in Zukunft braucht es begabte Menschen, die durch logisches Denken, Neugier und hervorragende Leistungen auf den Gebieten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik den Standort sichern.

 

Kickstart: Welchen Weltrekord haben Sie als letztes aufgestellt?

Gert Mittring: Bei den Science Days in Freiburg im Herbst 2015 habe ich in drei Minuten die 89.247-ste Wurzel aus einer Zahl mit einer Million Stellen gezogen.

 

Kickstart: Unvorstellbar, aber nicht gerade alltagstauglich!

Gert Mittring: Nein, aber Vorteile gibt es viele, wenn man schnell rechnen kann. So habe ich bei Testkäufen in unterschiedlichen Läden 20 verschiedene Artikel eingekauft. Von 13 Kassenbons waren sechs falsch. In Restaurants weiß ich schon bei der Bestellung, wie hoch die Rechnung ausfallen wird, und sollte ich mal arbeitslos werden, kann ich sofort als Kellner anfangen (lacht). Sämtliche Preise auf der Speisekarte hätte ich in kurzer Zeit parat.

 

Kickstart: Ich habe gelesen, dass Sie bei Weltrekordversuchen Schokolade essen. Hilft das – und trainieren Sie eigentlich auf Wettbewerbe?

Gert Mittring: Schokolade kann ich nur empfehlen, auch zur Vorbereitung. Vor Weltmeisterschaften überlege ich, was drankommen könnte und mache einige Übungen. Ich trainiere aber nicht zu viel. Schließlich sollen die Freude und der Spaß am Rechnen nicht verloren gehen.

 

 

Kickstart: Wie kann man sich denn als Schüler effektiv zum Beispiel auf das Mathe- Abitur vorbereiten? Im Grunde genauso.

Gert Mittring: Ich würde mich auf die dominierenden Themen im Oberstufenbereich beschränken, analysieren, welche Aufgaben am wahrscheinlichsten gestellt werden und mir mit Hilfe eines einfachen Beispiels klar machen, wofür diese Berechnungen im praktischen Leben nützlich sind. Ein Stück Schokolade dazu schadet auch nicht.

 

 

 

So verblüffst du deine Schulkameraden

Nur ein kleiner Kniff ist nötig, um Zahlen, die mit einer fünf enden, mit sich selbst malzunehmen, und das in Sekundenschnelle.

Rechengenie Gert Mittring hat ihn verraten:

- Bei 35 x 35 nimmt man die 3 mit der darauffolgenden Zahl mal, also mit der 4.

- An das Ergebnis, nämlich 12, hängt man 25 an und erhält mit 1225 die Lösung.

- Bei 145 x 145 würde man 14 mit 15 malnehmen und ebenfalls die 25 anhängen.

- Das ergibt 21.025.

 

 

Abnehmen mit dem Zahlen-Jongleur
Will Gert Mittring zum Beispiel 15 Kilogramm Gewicht abnehmen, kann er in Sekundenschnelle ausrechnen, wie lange er dazu braucht. „Wenn ich am Abend auf Kohlenhydrate verzichte, nehme ich pro Sekunde drei Milligramm Gewicht ab“, sagt er. „Ich brauche also 5 Millionen Sekunden für 15 Kilogramm, das sind knapp 1389 Stunden, genauer also 57 Tage, 20 Stunden, 53 Minuten und 40 Sekunden. Erst dann gibt es wieder Schokolade.“

 

BUCHTIPPS

Jeder kann besser rechnen lernen. Wie das geht, erklärt der vielfache Weltmeister im Kopfrechnen, Dr. Dr. Gert Mittring, in seinen drei bisher erschienenen Büchern. Mit „Fit im Kopf“ kann man spielerisch sein Gedächtnis trainieren, ob beim Warten an der Ampel, im Meeting oder beim Nudeln kochen. In „Rechnen mit dem Weltmeister“ zeigt der Zahlenjongleur, dass jeder Mensch seine Rechenfähigkeiten verbessern kann, egal von welchem Niveau aus er beginnt. Dorthin, wo sich auf dem Globus eine spannende Zahlengeschichte abgespielt hat, führt Mittring in dem neuen Buch „Von Pi nach Pisa“. Er erläutert, wie die alten Inkas gerechnet haben und wie das mit den Längen- und Breitengraden überhaupt funktioniert. Alle drei Taschenbücher sind im S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main erschienen.

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