Kapitän im Kinderparadies

Oliver Wieland leistet Bundesfreiwilligendienst im Heimbacher Hof in Hall

Oliver Wieland hat gerade den Hebel der Zeitmaschine umgelegt –  tösendes Geklatsche, polterndes Fußgetrampel, Lichtflackern. Eine Chinesin begrüßt die Kindergruppe, die sich in der Disco des Heimbacher Hofs eingefunden hat. „Wir reisen jeden Tag in eine andere Zeit. Heute sind wir im Jahr 300 vor Chr.“, erklärt Oliver, der dazu jedes Mal die Pilotenbrille aufsetzt und in die Rolle von einem der beiden Kapitäne schlüpft.

Über 120 Kinder besuchen das Sommerferienprogramm des Heimbacher Hofs in Schwäbisch Hall. Oliver ist einer von etwa zwanzig Betreuern, die die Horde der Sechs- bis Zwölfjährigen mit Sport, Musik, Bastelangeboten und Schauspieleinlagen unterhalten.

Seit über einem Jahr macht der Westheimer seinen Bundesfreiwilligendienst in der Kindereinrichtung – und ist begeistert: „So etwas hätte ich mir als Kind auch gewünscht“, sagt er während Kinder auf dem Hof Tretauto fahren, in der Werkstatt Blätter und andere Formen aus Holz schneiden oder in der Halfpipe ausgelassen Völkerball spielen.

Nach dem Abitur wusste Oliver eins: Studieren, ja – bloß was? „Bevor ich eine überstürzte Entscheidung treffe, wollte ich mich erstmal ausprobieren“, erzählt der junge Mann, der etwas mit Kindern machen wollte. Er bewarb sich auf eine Zeitungsannonce des Wohlfahrtswerk Baden-Württemberg, stellte sich im Haller Rathaus vor und bekam die Zusage. „Nach zwei Wochen im Heimbacher Hof wusste ich, dass ich Sozialpädagoge werden will. Man ist freier als es ein Lehrer ist und nah an den Kindern“, sagt Oliver, der zuvor vor allem mit seinen beiden jüngeren Brüdern und Cousins spielte. 


 Auch du lernst dazu: zum Beispiel kochen oder handwerkliche Tätigkeiten 

 Viele Kinder schauen zu dir auf und schließen dich in ihr Herz

 Der Lärmpegel ist hoch - Stressresistenz ist gefragt


Spielen ist auch jetzt das A und O seiner Arbeit. „Man muss schon mitspielen wollen und ein bisschen Kind bleiben“, sagt das ehemalige Mitglied des Freilichtspiele- Jugendensembles „Freunde der Fiktion“ entschieden. „Es passiert immer mal wieder, dass sich ein Kind verletzt. Irgendwann weiß man, wie man reagieren muss und was ernst zu nehmen ist“, sagt der Bufdi, der tröstende Worte und den Verbandskasten bereithält.

Abseits der Ferienbetreuung hat er einen festen Wochenplan, zwei Mal wöchentlich gibt er einen Kurs im Einradfahren. An einem anderen Tag übernimmt er Hausmeistertätigkeiten, die Mittagsbetreuung im Schulzentrum West oder im Heimbacher Hof. Zum Ausgleich für die Arbeit an zwei Samstagen im Monat hat er an anderen schon vormittags Feierabend. Die Arbeit macht ihm so viel Spaß, dass er noch ein halbes Jahr drangehängt hat. Bevor er sich vorerst der theoretischen Seite der Pädagogik widmet.

von Katharina Schultz



BUFDI

Was unterscheidet den Bundesfreiwilligendienst vom FSJ?

Im Unterschied zum FSJ gibt es beim Bundesfreiwilligendienst keine Altersbegrenzung. Der Dienst wurde 2011 mit der Abschaffung des Zivildienstes eingeführt. Zum sogenannten Bufdi kann jeder werden, der die Schule abgeschlossen hat. Das Engagement darf zwischen sechs und 24 Monate lang sein und im sozialen und ökologischen Bereich, sowie im Bereich des Sports, Integration, Kultur, Bildung und 

Zivil- und Katastrophenschutz geleistet werden. Anders als beim FSJ können Bufdis (über 27 Jahren) auch Teilzeit (ab 20 Stunden pro Woche) tätig sein. Der freiwillige Einsatz kann als Praktikum angerechnet und zur Überbrückung von Wartezeiten. Ebenso wie beim FSJ besuchen die Freiwilligen Seminare und erhalten Taschengeld.



Folge uns auf Facebook

Fragen? Schreibe uns eine Mail

Azubistellen im Stellenportal


südwest presse
südwest presse
südwest presse
südwest presse