Mi Casa es tu Casa

„Fühl dich wie zu Hause“: Ein Abend Studentenleben:

Dürfen wir vorstellen, fünf Bewohner des Wohnheims Casa Allegra in Bad Mergentheim.

Wie sie leben, berichtet wir auf den nachfolgenden Seiten.
VON SIMON KREUZER

 

Jana „die Neue“ Renz:
18, duales Studium
in International Business.  Wohnt seit drei Monaten im Casa.

 


Lieblingsgegenstand:
Fotokalender – „Weil er
ein Geschenk von meiner Schwester ist.“

Michelle „die Partygängerin“ Paeßens:
21, Studium in International Business.
Wohnt seit zweieinhalb
Jahren im Casa.


Lieblingsgegenstand:
Sofa im Gemeinschaftsraum
– „Weil man darauf
auch prima schlafen
kann.“

Marc „der Kreativkopf“
Biemer:
21, duales Studium in
International Business.
Wohnt seit zweieinhalb
Jahren im Casa.


Lieblingsgegenstand:
Zimmerpflanze – „Weil
ich mit ihr eine Wette
gegen meinen Mitbewohner gewonnen
habe.“

Manuel „der Welten-bummler“ Merkert:
21, Studium in Wirtschaftsingenieur-

wesen. Wohnt seit drei
Jahren im Casa.


Lieblingsgegenstand:
Meine Landkarte – „Weil
ich darauf sehe, wo
ich überall schon war
– und wo ich noch hin
möchte.“

Jeremia „der Opa“
Berschauer:
27, Studium in Manage- ment und Führungs-kompetenz. Wohnt seit vier Jahren im Casa.


Lieblingsgegenstand:
E-Piano – „Weil ich beim
Musik machen super
entspannen kann“


Der kürzeste Weg von Bad Mergentheim nach Berlin Mitte führt nicht etwa über die A9, sondern über die teppichbezogenen Stufen im Wohnheim Casa Allegra. „Unser Vermieter ist da besonders kreativ“, sagt Jeremia lachend und zeigt auf das Straßenschild „Kurfürstendamm“ im ersten Stock. Weiter oben landet man in „Kreuzberg“, auf der „Reeperbahn“ und dem „Alexanderplatz“. Die kuriose Beschilderung, die abgefahrenen Wandfarben und der urige Kaugummiautomat als Waschmarkenspender: Das Wohnheim scheint seinem Namen alle Ehre zu machen. Denn „Casa Allegra“ heißt übersetzt „fröhliches Haus“.

 

Fröhlich geht es an diesem Abend tatsächlich zu. Wer durch die gläserne Eingangstür tritt, hört lautes Gelächter – Michelle, Marc, Manu, Jeremia und Jana sitzen um den gelben Ecktisch neben der Küche und essen. Die fünf Studenten zählen zum harten Kern der Casa- Crew. Insgesamt leben rund 30 Mieter in dem ehemaligen Sanatorium. „Manche der Bewohner gehören mehr zur Gruppe – andere habe ich noch nie zu Gesicht bekommen“, erklärt Michelle. Wer sich nicht integrieren will, habe eben selbst Schuld – und verpasse einiges. Zum Beispiel den Bachelor- Abend oder die Kochkünste von Jeremia: Jeden Sonntag lädt der 27-Jährige seine Mitbewohner zum Drei-Gänge-Menü ein. „Er kocht und wir dürfen dann beim Abwasch wieder ran“, erklärt Manuel augenzwinkernd. Unter der Woche kocht allerdings jeder für sich. Eine regelrechte Profiküche – aus der Sanatoriums-Zeit – befindet sich im Erdgeschoss: spiegelnde Edelstahlschränke, ein riesiges Kochfeld und im Nebenzimmer eine Armee an Kühlschränken. Jeder Mieter hat sein eigenes Fach. Ansonsten haben die Studenten ein ausgeklügeltes System entwickelt: Die Arbeitsplatte in der Mitte bildet das Bermudadreieck des Wohnheims. Alles was dort lagert, gilt als Allgemeingut und verschwindet meistens innerhalb weniger Tage. „Unsere Hauptwährung ist Salz und Öl. Das wird immer gebraucht“, erklärt Manu den Haufen an Streuern und Flaschen auf der Ablage.

 

Die Küche ist neben Wohn- und Esszimmer das einzige, was die Casa-Bewohner sich teilen. Ob es da nicht zu Streitereien kommt? Die Studenten zucken mit den Schultern. „Klar – es werden Sachen geklaut. Aber großen Stress gab es bisher noch nicht“, meint der 21-jährige Marc. Die Anonymität sei trotzdem eine Kehrseite des Wohnheims, da sind sich die Studenten einig. „Mich regt es schon manchmal auf, wenn tagelang irgendwelches Geschirr in der Spüle steht“, meint Jeremia. Ohne den externen Putzmann, der jeden Morgen die Gemeinschaftsräume sauber macht, würde es nicht funktionieren. „Bei so vielen Leuten kann man sich leicht um die Verantwortung drücken.“ Jeremia selbst scheut sich nicht davor: „Opa“ nennen ihn die anderen Bewohner, weil ohne sein Management vieles nicht laufen würde. Der gebürtige Tübinger lebt am längsten im Casa Allegra, kennt jeden Winkel und ist Ratgeber und Küchenchef zugleich. Sein kleines Zimmer ist vollgestopfter als ein Tante-Emma-Laden – umziehen würde er trotzdem nicht: „So eine Gemeinschaft findest du nicht überall. In einer WG zum Beispiel kommt es zu viel mehr Konflikten.“ Michelle ergänzt: „Ich hätte sicher auch ein günstigeres Zimmer finden können. Aber die Menschen hier gehören für mich fast schon zur Familie.“ Das neueste Familienmitglied ist die 18-jährige Jana. Sie kommt aus Oberschwaben, studiert International Business in Bad Mergentheim und kannte absolut niemanden aus der Gegend – bis sie im Oktober ins Casa Allegra zog. Für den rund zehn Quadratmeter großen Raum zahlt sie 310 Euro im Monat. Wie es ihr hier gefällt? „Ich fühl‘ mich total wohl. Die Gemeinschaft ist klasse“, erzählt sie. Nur ihr Nachbar könnte nachts ein bisschen leiser zocken.

 

Das Problem hat Manu nicht mehr. Früher hat er in einem länglichen Raum gewohnt, mittlerweile ist er umgezogen in einen quadratischen. „Hier ist es nicht mehr so laut“, hat der 21-Jährige erfahren. Privatsphäre und Ruhe seien ihm wichtig. „Das ist das gute am Wohnheim – du kannst dich problemlos zurückziehen, wenn du zum Beispiel lernen willst.“ Ein anderer Vorteil sei, dass er schnell einen Untermieter findet. Die riesige Landkarte an seiner Zimmerwand spricht für sich: Der Student ist ein Weltenbummler. „Und wenn ich auf Reisen gehe, finde ich über den Vermieter oft jemanden, der in der Zwischenzeit das Zimmer nimmt.“

 

Und wie sieht es in puncto Party aus? Die Studenten beginnen zu grinsen. „Bei uns heißt das „Casa escalera“, erklärt Michelle. In die Details gehen wollen sie nicht – „aber natürlich war das mit dem Vermieter abgesprochen. Und wir haben immer gut aufgeräumt“, erzählt Jeremia. „Naja, bis auf einmal, als die Arbeitsplatte am nächsten Morgen verschwunden war“, gibt Michelle schmunzelnd zu. Kein Wunder: Was in der Mitte liegt, ist schließlich Allgemeingut. Ansonsten ist die Casa-Crew auch außerhalb der eigenen vier Wände unterwegs. In Marcs Zimmer liegt schon das nächste Partyoutfit bereit – keine Frage, dass er mit seinen Mitbewohnern von Ku‘damm, Alexanderplatz und Reeperbahn feiern wird.

Wer nicht gekocht hat, wäscht ab...
Wer nicht gekocht hat, wäscht ab...
... vorher wurde wie jeden Sonntag gemeinsam gegessen.
... vorher wurde wie jeden Sonntag gemeinsam gegessen.
Tischkickern im Casa Allegra.
Tischkickern im Casa Allegra.

                                            FOTOS: SIMON KREUZER

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