Vom Blaumann zum Business-Anzug

Mit einer mutigen Entscheidung schaffte es Gebhard Gentner auf den Chefsessel

Gebhard Gentner hat eine Ausbildung zum Heizungsbauer gemacht und sitzt heute in der Chefetage der Stadtwerke Schwäbisch Hall.

Der 51-Jährige weiß es noch ganz genau. Es war ein Tag im März 1981, auf der Baustelle ist es bitterkalt und der Rücken tut ihm weh vom schweren Tragen und Heben. Der 17-Jährige, der mit 15 eine Ausbildung zum Heizungsbauer begonnen hat, fällt eine mutige Entscheidung. Die nämlich, diesen Beruf nicht bis zum Rentenalter auszuüben und nochmal zur Schule zu gehen. Der Realschüler, der sich viel lieber auf dem Fußballplatz als in der Schule tummelte, macht die Fachhochschulreife und studiert danach Versorgungstechnik in München. Mit 23 Jahren ist er Fachingenieur und seine Diplom-Arbeit über das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung ist schon ein Hinweis darauf, wohin es einmal gehen wird: Schnurstracks in Richtung erneuerbare Energien, denn das ist genau sein Ding. „Vielleicht“, so hofft er, „geht ja, bevor ich in Rente gehe, noch das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz?“


Nach Jobs in einem kleinen Ingenieurbüro und im Anlagenbau bei der Firma Mannesmann in München, für die er unter anderem die Rohrleitungen für eine große Müllverbrennungsanlage im unterfränkischen Schweinfurt konzipiert, wechselt er 1993 zu den Stadtwerken in Schwäbisch Hall. Sein Job: technischer Ingenieur mit Führungsverantwortung. Im Mai 2012 wird Gebhard Gentner Geschäftsführer im Bereich Technik und seit Februar 2015 steht er gemeinsam mit Ronald Pfitzer an der Spitze der Gesellschaft. Er trägt die Verantwortung für rund 500 Mitarbeiter, erschließt neue Geschäftsfelder, sagt Ja oder Nein zu Investitionen und trifft Entscheidungen, die sich manchmal erst Jahre später als richtig oder falsch herausstellen.

Ein großer Schritt vom Heizungsbauer auf der Baustelle bis zum Geschäftsführer im Chefsessel mit Firmenwagen, eigenem Parkplatz, Sekretärin und zehn Anzügen im Schrank.

„Ich war 15, als ich mit der Schule fertig war“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer. „Zu jung, um mich für einen Beruf oder gar berufliche Ziele entscheiden zu können“. So hat er sich als Elektriker, Heizungsbauer, Augenoptiker und Drucker beworben und den Ausbildungsplatz im Heizungsbau bekommen. „Zufall also.“ Gebhard Gentner findet, dass man in jungen Jahren „möglichst viel mitnehmen“ und auch mal ins Ausland gehen solle, denn das öffne den Horizont. „Ich merke das ganz oft, wenn ich Bewerbungsgespräche führe. Menschen, die eine Weile im Ausland waren, sind viel aufgeschlossener und interessierter.“


Eine Ausbildung zu machen, auch wenn man später eventuell noch studieren möchte, sei auch nie verkehrt. Die Kombination aus Praxis und Studium sei in Betrieben sehr gefragt. Allerdings sollte man das Studium auch nicht auf die lange Bank schieben und wahllos irgendwo jobben, um Geld zu verdienen. Wer sich heute für einen Beruf entscheidet, sollte, so sein Rat, unbedingt ein Praktikum machen, um zu sehen, ob es das richtige ist. Und wenn man trotz allem später erkennt, dass der eingeschlagene Weg der falsche ist? „Dann muss man handeln, denn für einen neuen Weg ist es nie zu spät.“, sagt Gebhard Gentner. Handeln, so wie er an einem bitterkalten Tag vor 34 Jahren.

Kick-Tipp:

Wer nach dem Gymnasium noch nicht weiß, was er studieren möchte, kann die Zeit der Orientierung für eine klassische Ausbildung nutzen. Das sei auch hilfreich für die spätere Karriere, weiß Gebhard Gentner, heute Geschäftsführer im Bereich Technik bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall. „Die Kombination aus Praxis und Studium ist in den Betrieben sehr gefragt.“


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