Was soll bloß aus mir werden?

Interview mit Berufsberaterin Katharina Roeschke

Was soll bloß aus mir werden? Die einen wissen schon in der Grundschule ganz genau, was sie einmal werden wollen. Die anderen wollen erst einmal die Schule hinter sich bringen, dann etwas chillen, vielleicht die Welt bereisen, eventuell ein FSJ machen und sich dann in Ruhe die ersten beruflichen Schritte überlegen. „Wer gar keine Ahnung hat, was einmal aus ihm werden soll, erfährt Hilfe bei der Agentur für Arbeit“, sagt Berufsberaterin Katharina Roeschke.

Kickstart:

Wie finden Jugendliche eigentlich ihren Beruf?

Fünf Prozent orientieren sich tatsächlich an dem, was ihre Eltern meinen. Vor allem jüngere Schulabgänger sind auf Ratschläge angewiesen, da sie ihre Stärken selten richtig einschätzen können. Auch Verwandte, Nachbarn, Freunde und Bekannte können da helfen. Man sollte als Schüler rechtzeitig das Gespräch suchen.

Was ist denn rechtzeitig?

Etwa eineinhalb Jahre vor dem Ausbildungsstart sollte man beginnen, sich mit der Berufswahl zu beschäftigen.

Wie wird man in den Schulen vorbereitet?

In der Schule läuft viel in Sachen Berufsorientierung. So gehören Betriebspraktika zum Stundenplan, man geht mit den Schülern zu Ausbildungsmessen, zur Berufsberatung oder ins Berufsinformationszentrum (BiZ). Viele bieten auch Bewerbungstrainings.

Und wenn das alles nicht hilft?

Dann kommt man am besten in die Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Im Gespräch lassen sich Interessen und Stärken gut herausarbeiten. Wir fragen zum Beispiel, wie der Jugendliche am liebsten seine Freizeit verbringt, welches Schulfach er mag, welche Aufgaben er gerne übernimmt oder ob er gern draußen ist. Im Ausschlussverfahren wird das dann verfeinert, also: „Wenn dich der Bereich Computer interessiert, siehst du dich dann eher Programme schreiben,Netzwerke verkaufen oder den Drucker reparieren?“


Wie sollte man sich als Jugendlicher auf dieses Gespräch vorbereiten?

Es gibt sowohl umfangreiche Online-Tests auf dem Portal Planet-Beruf, die man zur Orientierung machen sollte, als auch Fragebögen, die Kinder und Eltern im Vorfeld ausfüllen
können. Darin wird nach den Interessen der Jugendlichen gefragt, ob sie zum Beispiel eher ein Organisationstalent sind oder einer, der Fahrräder und Computer mit links repariert. In Realschulen und Werkrealschulen werden die Schüler mithilfe der Kompetenzanalyse Profi l AC schon frühzeitig auf ihre Talente hingewiesen. In der Berufsberatung geht es dann nur noch darum, diese Talente in einem Beruf zusammenzuführen. Im Gegensatz zu den Lehrern, die an den Defi ziten der Schüler arbeiten, schauen wir nur auf die Stärken. Denn nur darum geht es bei der Berufswahl.

Jugendliche haben in der Regel keine konkreten Vorstellungen vom Berufsalltag. Was kann man da tun?

Im BiZ in Schwäbisch Hall gibt es auf der Internetseite berufenet.de mehr als 300 Kurzfi lme zu verschiedenen Berufen. Gut ist, wenn man Netzwerke nutzen kann. Verwandte oder Bekannte, die in der Sparte arbeiten, können Fragen sehr konkret beantworten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, macht am besten ein Berufspraktikum.

Wie wichtig sind solche Praktika für Schüler?

Meiner Meinung nach sollte man über das in der Schule erforderliche Berufspraktikum
hinaus freiwillig noch weitere Praktika machen. So lässt sich testen, ob der Wunschberuf im Alltag tatsächlich den eigenen Vorstellungen standhält.


Angenommen, man hat seinen Wunschberuf gefunden und möchte sich bewerben. Es gibt aber viele Mitbewerber. Wie hebt man sich ab?

Ein Praktikum ist sehr oft der Einstieg in eine Ausbildung. Bewerben sich viele, werden die, die sich in einem Praktikum bewährt haben, fast immer bevorzugt. Manche Firmen veranstalten Tage der Ausbildung. Ein guter Tipp ist, dort das Gespräch zu suchen, die Bewerbung persönlich zu übergeben und nach einem Praktikum zu fragen.

Und wenn der Abiturient nach der Schule doch erst einmal ins Ausland möchte?

Finde ich superklasse, denn die Erfahrung, die man sammeln kann, ist durch nichts zu ersetzen. Man kann nur profi tieren. Allerdings sollte man sich klar machen, dass man sich im Ausland weder um einen Ausbildungsplatz noch um einen Studienplatz wird kümmern
können. Ideal ist, wenn schon vorher klar ist, wie es danach weitergehen wird.

Das Interview führte Claudia Linz



Die Starthelferin

Katharina Roeschke (50) ist seit sechs Jahren Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in Crailsheim. Von einem sechsmonatigen
Praktikum, das sie mit 18 Jahren in der Psychiatrie gemacht hat, profitiert die gebürtige Kasselerin noch
heute. Ebenso vom Studium der Sozialpädagogik und den vielen Berufen, die ihr alle „großen Spaß gemacht“ haben. So war sie zum Beispiel Elektrikerin, Arzthelferin und Audiometristin. „In der Berufsberatung
muss man sehr genau auch auf die leisen
Töne hören, sagt sie.

Denn oft äußern Jugendliche ihre eigentlichen Wünsche gar
nicht, weil sie glauben, dass sie das sowieso nicht werden können.“ Ihr Ziel ist es, dem Jugendlichen dabei zu helfen, den Beruf zu finden, den er mit ganzem Herzen und gern macht. „Wenn das klappt, haben wir 100 Prozent erreicht!“ Außerdem verdiene man viel Geld nur in einem Beruf, der einem am Herzen liege. Und sie selbst? Wenn ich könnte, würde ich gern noch Schornsteinfegerin lernen, oder Orthopädiemechanikerin, oder, oder …




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